Leben in London

London – Seit dem Einsturz von Wyndhammer House laufen in London die Vorbereitungen auf weitere Angriffe der Feen auf Hochtouren. Unter diesem Kriegstreiben leiden besonders arme Menschen und Straßenkinder. Aus London berichtet Carlinda Carson.

Es begann mit dem Bann aller Feen, Kobolde, Gnome und anderer feenartiger Wesen aus der Stadt. London sollte wieder rein-englisch werden, die Stadt gegen alles Andere und damit vor ähnlichen Vorfällen wie im Wyndhammer House geschützt werden. Doch wer zieht hier die Grenzen zwischen Englisch und Anders? Als feenartig gelten natürlich die sogenannten „Seltsamen“, aber auch – und dieses Phänomen ist neu – Menschen, die von Feen berührt wurden. Polizisten und Soldaten durchstreifen nachts die Stadt, auf der Jagd nach andersartigen. Alles, was nach 11 Uhr noch auf der Straße ist, wird verhört: wer verdächtig ist, mit Feen in Kontakt zu stehen, kommt in besondere Lager, wer kräftig genug ist, um zu kämpfen, wird rekrutiert und nach Norden geschickt. Wer es schafft, sich vor den Anwerbern zu verstecken, muss Angst haben, Räuberbanden in die Hände zu fallen. Die Stadt ist nachts eine Bestie geworden. Ein Großteil der ursprünglichen Bevölkerung Londons wurde auf einen Schlag kriminalisiert, ein Schritt, der Berufsgangster erst nach London lockte. Menschen, die auf der Straße leben, wurde damit das letzte bisschen ihrer Existenzgrundlage genommen. Auf der untersten Stufe stehen Versehrte. Bereits vor einigen Jahren traten die ersten Fälle auf, bei denen Menschen über Nacht ein Auge verloren mutmaßlich auf übernatürliche Weise. Niemand weiß, was es mit diesem Phänomen der Jungen und Mädchen ohne Auge auf sich hat, aber alle befürchten das Schlimmste: Magie.

Wenn alle nur noch mit dem Finger auf die anderen zeigen, Solidarität ein Fremdwort geworden ist und alle in Angst voreinander leben, lässt sich eine Stadt dann wirklich gegen Angriffe einer anderen Welt schützen?

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